Palmöl – Zerstörer eines Ökosystems

Flo und Lisa auf den Spuren des Palmöls

Flo und Lisa auf den Spuren des Palmöls

Wir sitzen im Auto. Seit einigen Tagen wohnen wir bei einer Familie in einem kleinen Haus direkt am Kinabatangan. Wir sind auf dem Weg zum Markt, um noch etwas Gemüse für das Abendessen zu kaufen. Nachdem wir zunächst mit dem Boot zum nächstgrößeren Anleger gefahren sind, an dem auch das Auto der Familie steht, liegen nun noch 40 Minuten Autofahrt vor uns. Während der Fahrt liegen entlang der Straße nur Palmölplantagen. Rechts Palmen, links Palmen, zwischendurch eine kleine Palmöl-Fabrik, links Palmen, rechts Palmen. Unser Gastgeber erinnert sich daran, dass noch vor 30 Jahren anstatt der Plantagen direkt der Urwald an die Straße grenzte.

Immer wieder sprechen wir mit Einheimischen, Naturschutzorganisationen vor Ort und Arbeitern auf den Plantagen, aber auch mit Menschen, die ihr Land an die großen Firmen verkauft haben und mit einem Angestellten einer großen Palmölkette, der eine kleine Fabrik leitet.

Urwald-Zerstörung auf Borneo

Urwald-Zerstörung auf Borneo

Palmöl Plantage

Palmöl Plantage

Die Plantagen bieten eine lukrative Möglichkeit für die Einwohner Borneos. Den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und die Familie zu versorgen stehen natürlich vor dem Aspekt Umweltschutz und so verkaufen viele ihr Land an die Großen und Kleinen in dieser Branche. Auch die Arbeit auf einer Plantage ist ein verlockendes Angebot. Oft werden Häuser, Nutztiere, Autos, etc. durch die Plantagenbesitzer gestellt, die ganze Familie kann bei der Bewirtschaftung einer Plantage helfen. Die Männer kümmern sich um die Ernte und die Kinder und Frauen helfen beim Düngen.

Ernten der Plantage

Ernten der Plantage

Palmfrüchte

Palmfrüchte

Die Naturschutzorganisationen vor Ort versuchen vor allem den Kindern nahe zu legen, wie wichtig die ursprüngliche Natur für die Insel, die Menschen und das Klima ist. Vormittags kommen Schulgruppen zum Standpunkt der Organisation und pflanzen kleine Setzlinge ein, lernen welche Pflanzen des Dschungels bei Schlangenbissen helfen und wie man aus tiefroten Blüten einen Tee kocht, der nach Erdbeeren schmeckt.

Entlang des Flusses Kinabatangan erstrecken sich nur noch schmale Streifen des ursprünglichen Regenwaldes. Ein Gesetz besagt zwar, dass zwischen einer Plantage und einem Fluss mindestens 300 Meter Abstand eingehalten werden sollen, um die hohe Biodiversität gerade im Bereich des Flussufers zu schützen. Jedoch kann man auf Borneo mit Geld eigentlich fast jedes Gesetz umgehen und so erstrecken sich die gleichmäßig aufgereihten Palmen sichtbar an einigen Stellen direkt bis ans Flussufer des Kinabatangan.

Für die hier heimischen Zwergelefanten hat sich der Lebensraum innerhalb der letzten Jahrzehnte gefährlich stark reduziert. Eine Herde mit gut 60 Tieren wandert nun flussauf und –ab in einem nur gut 200 Meter breiten Urwald-Korridor, gefolgt von einer kleinen Sumpfzone, an die die riesigen Plantagen grenzen. Nicht selten kommt es vor, dass einige Elefanten sich an den Palmen bedienen, denn die kleinen orangenen Früchte der Palme sind ein wahrer Leckerbissen für die grauen Riesen. Die Plantagenbesitzer können den wirtschaftlichen Verlust, den die Elefanten in Form von zertrampelte Jungpflanzen und umgerissene Palmen und Zäune hinterlassen, nicht tragen. Wir sehen Elefanten mit eingewachsenen Schrottkugeln und Trittfallen an den Füßen. Morgens riecht es auf den Plantagen nach verbranntem Gummi. In der Nacht haben Arbeiter fünf Autoreifen angezündet, damit die beißenden Dämpfe die Elefanten fernhalten.

Eingewachsene Schrotkugeln

Eingewachsene Schrotkugeln

Von Elefanten niedergerissen

Von Elefanten niedergerissen

Verbrannter Autoreifen

Verbrannter Autoreifen

Als wir nach 8 Wochen wieder am Hamburger Flughafen landen, sind die Erlebnisse und Eindrücke unserer Reise noch fest in unseren Köpfen verankert. Bei unserem ersten Einkauf achten wir penibel darauf keine Produkte zu kaufen, in denen Palmöl enthalten ist. Es ist leider gar nicht so einfach, denn Palmöl steckt in viel mehr Dingen als gedacht und oft wird es auch gar nicht angegeben. Nach einiger Zeit hat man aber den Dreh raus und wir kaufen palmölfrei ein.

Florian Smit & Lisa Marie Schauer von outabout.de

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